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von Rosentrieb ____

Der Schirm   Oelfarbe auf Leinen 100 x 120 cm

Der Schirm

Gegen Ende September habe ich bei einem Freund gegessen, als ich nach dem feinen Essen nach Hause gehen wollte, regnete es in Strömen, also fragte ich, ob es denn einen entbehrlichen Schirm im Hause gäbe, mein Freund zögerte nicht lange und gab mir sein bestes Stück einen schwarzen Schirm mit Holznoppen an den Enden der Metallstäbe und einem schönen Holzgriff, "Den kannst Du behalten", der Schirm war neu und schön und begleitete mich nach Hause. In den folgenden Tagen war das Wetter nass und ich brauchte diesen, meinen einzigen Regenschirm oft, aber dann, wie es so ist mit meinen Schirmen, plötzlich sind sie verschwunden, er war vielleicht zwei Wochen bei mir und ich brauchte ihn in dieser Zeit sehr oft.

Das war dann der Grund, warum ich meinen schönen Regenschirm überaus vermisste, beinahe jeden Tag sah es so aus, als ob man einen Schirm bräuchte, aber interessanterweise brauchte ich, seit er verschwunden war, nie mehr einen, dennoch vermisste ich ihn beinahe täglich sehr, da das Wetter trübe und nass über der Stadt hing. Dies zog sich über drei Monate so dahin und trotzdem kam ich nie in die Situation, dass ich tatsächlich einen Schirm gebraucht hätte. Entweder hatte es schon aufgehört zu regnen oder es fing erst an, wenn ich mich irgendwo im Trockenen befand, hin und wieder nieselte es in dieser Zeit, da kann man sich an den Häusern entlang bewegen ohne nass zu werden.

Jedenfalls flog ich Mitte Januar nach Malaga und als ich aus dem Flugzeug stieg, regnete es in Strömen, hier ging ohne Schirm gar nichts. So begab ich mich also von der Ankunftshalle in die Abflughalle und als ich da reinkomme, fällt mir sofort die Frau auf, welche rechts von mir diagonal in die Halle schreitet, was mir durch den Kopf geht, als ich sie sehe, ist; "hm was macht denn Die mit meinem Schirm hier?" denn sie hatte exakt denselben Schirm in den Händen den ich seit Monaten vermisse.

Ich schlendere in die Halle, schaue mich um ob irgenwo ein Schirm zu kaufen wäre und die Frau geht locker doppelt so schnell auf eine Säule zu, die vor mir stand, sie erreicht die Säule an der ein Papierkorb befestig ist, vielleicht 3 Meter vor mir und legt ihren Schirm auf denselben, ruft ihrem Mann, den ich bis jetzt überhaupt nicht wahrgenommen habe, irgendetwas auf Deutsch zu, so erkenne ich, sie versteht mich, denn mein Spanisch ist mehr als mässig und reagiere sofort, in dem ich sie übergangslos frage, "Ist der Schirm im Eimer?"

Die grossgewachsene, attraktive Frau reagiert wie so viele, wenn ich einen unvermittelten Scherz mache, völlig perplex mit einem Fragezeichen im Gesicht, da sagte ich zu ihr, "ja ähm, ich meine ist der Schirm kaputt, brauchen Sie den nicht mehr?" Jetzt hellt sich ihr Gesicht auf und scheint zu verstehen: Nein, nein dem ist nicht so, sagt sie, diesen Regenschirm hätten sie gerade eben in Malaga gekauft, da es so regnet, aber jetzt flögen sie nach Deutschland und dort sei das ganze Auto voller Schirme, diesen hier bräuchten sie nun wirklich nicht auch noch, ich könne ihn gerne haben, er sei ganz neu, und so stöckelte sie, während sie sprach, davon, ein Genuss zuzusehen, ich begebe mich zum Papierkorb, auf dem, wie auf einem Butler, ganz genau der gleiche Schirm mit den Holznoppen und dem schönen Holzgriff liegt, den ich seit Monaten vermisse und der mir nun hier in einer ganz anderen Ecke der Welt, ausgerechnet in dem Moment, da ich ihn das erste Mal wirklich brauche, präsentiert wird, ich nehme meinen Regenschirm und nun breitet sich auf meinem Gesicht ein grosses Fragezeichen aus.

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